Blüchers Sturz bei Ligny - 16. Juni 1815
von Dr.
Ingo Meyer
Den meisten Lesern ist es ja sicherlich
bekannt, dass vor der denkwürdigen und die Geschichte Europas für fast 100
Jahre beeinflussende Schlacht bei Waterloo am
18. Juni 1815 noch zwei "Vorschlachten" am 16. Juni stattfanden:
Napoleons Plan, die Armeen Wellingtons (anglo-niederländisch-deutsch) und Blücher
(preußisch) getrennt
und hintereinander zu schlagen, führte dazu, dass am Morgen des 15. Juni bei
Charleroi
mit der Nordarmee (zehn Korps inkl. Garde und Kavallerie, ca. 120.000 Mann) in
drei Marschkolonnen die französisch-belgische Grenze überschritt und somit
einen vorzeitigen Zusammenschluss der beiden verbündeten Armeen verhinderte.
Der linke Flügel unter Marschalt Ney stieß
nach Quatre Bras vor, wo er am 16. Juni auf Wellingtons anrückende Korps stieß.
Der rechte Flügel, von Napoleon selbst befehligt,
griff am Nachmittag des 16. Juni die Preußen an, die sich in und bei Ligny
verschanzt hatten. Nachdem die Franzosen das vor Ligny liegende Dorf St. Amand
noch heftiger preußischer Gegenwehr eingenommen hatten, wandte sich ihr
Hauptstoß gegen Ligny selbst.
Dabei erhielt Blüchers prächtiger
Schimmel, ein Geschenk des Prinzregenten von England, eine Schussverletzung und
begrub beim Sturz den 73-jahrigen Feldmarschall unter sich. Sein Adjutant, Graf
Nostitz, saß ab und stellte sich mit gezogener Pistole schützend vor seinen
Feldmarschall, der leicht benommen, mit unter dem Pferd eingeklemmten Bein,
nicht allein aufstehen konnte. Das Kavalleriegefecht zwischen den 6. preuß.
Ulanen (ehemaliges Freikorps Lützow) und den 9. fränz Kürassieren wogte hin
und her, ohne dass die beiden Offiziere bemerkt wurden. Sie wurden sogar beinahe
umgeritten. In der historischen Standardliteratur, die die Schlacht von Ligny
beschreibt, wird über die Rettung des „Marschall Vorwärts" berichtet,
dass sein Adjutant Graf Nostitz sie bewerkstelligt hätte.
Auf Basis der am Ende dieses Artikel erwähnten Literatur möchte ich den
Hergang dieser Rettungsaktion aufzeigen und damit eine kleine
Geschichtsklarstellung vornehmen.
Neben Graf Nostiz war Major von dem
Bussche-Ippenbürg maßgeblich an der Rettung Blüchers beteiligt. Der Major
kommandierte die 21. und 4. Eskadron des Elbe-Landwehr-Kavallerie-Regiments,
welches unter dem Kommando des Oberstleutnants von Reibnitz stand und zum 11.
Armeekorps des Generalmajors von Pirch I. gehörte.
Die beiden Eskadrons waren ebenfalls an der
o.g. Kavallerieattacke beteiligt. Major von dem Bussche-Ippenburg bemerkte den
gestürzten Feldmarschall und rief mehrere Kavalleristen zu Hilfe herbei, um den
eingeklemmten und benommenen Blücher unter seinem Pferd hervorzuziehen.
Graf Nostitz hatte den Major Blücher gegenüber
später nie erwähnt und den Ruhm, alleinig für die Rettung Blüchers
verantwortlich gewesen zu sein, auch allein geerntet. Der in (1) zitierte
Briefwechsel zwischen Nostitz und von dem Bussche-Ippenburg und Briefe des
Letztgenannten an seine Frau, sowie eine Fußnote in (2), S. 309, Band 2,
belegen den Hergang der Rettungsaktion unter Beteiligung von Bussche-Ippenburgs.
Mein auf den Fotos dargestelltes
Kleindiorama (15 Figuren nebst Pferden auf einer Gesamtfläche von 15 x 20 cm)
stellt die Rettung Blüchers dar (Bild 1).

Bild 2 zeigt die figürliche
Darstellung des Majors von dem Bussche-Ippenburg, in der Uniform des
Elbe-Landwehr-Kavallerie-Regiments, bei Blücher stehend und die Rettungsaktion
überwachend.

Auf Bild 3 ist Graf Nostitz mit gezogener Pistole stehend
dargestellt.
Verwendete Literatur:
(1) Von dem Bussche, Albrecht
Auf Pferdesrücken durch Europa;
v. Hase & Koehler Verlag; Mainz 1997;
ISBN 3-7758-1343-8
(2) Schulze, Friedrich (Hrsg.)
Die Franzosenzeit in Deutschen Landen, 1806 bis 1815, Bd.2;
R. Verlag, Leipzig; 1908
(3) Wenzlik, Detlef;
Waterloo – Der Feldzug von 1815;
VRZ Verlag, Hamburg 1997;
ISBN 3-931482-04-9