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Diorama: "Die Preußen bei Plancenoit"

Dieses Diorama wurde auf der Intermodellbau in Dortmund 1997 ausgestellt.

Beschreibung zum Diorama

Die Fotos dazu befinden sich am Ende dieser Website.

"Give me night or give me Bluecher"

..und die Preußen kamen, in der Form eines Dioramas auf der Intermodellbau 1997 in Dortmund. Man konnte Ihre Massen deutlich erkennen auf unserem zweiten Diorama zu dem Thema "Waterloo", oder besser "Belle-Alliance" wie diese Schlacht von 1815 noch bis zur Jahrhundertwende in Deutschland genannt wurde.

Zu einer Zeit, als noch keiner der Figurenherstellung bereit war die Teilnahme der Preußischen Truppen an der legendären Schlacht von Belle-Alliance mit der Herstellung von Figuren im Maßstab 1:72 zu würdigen, wollten wir ein Zeichen setzten. Wir erstellten zu diesem Thema ein Diorama auf einer Fläche von 4 mal 5 Metern, mit 5.000 Figuren. Wie schon damals sollte die Kirche von Plancenoit ins Zentrum des Geschehens rücken.

Am Anfang stand wie immer die Recherche. Wie war der Verlauf der Schlacht, welche Truppen waren beteiligt, wie sah das Gelände aus?
Wir begannen also mit dem Ausarbeiten des Ablaufes und mit dem Durchforsten unsere umfangreichen Literatur und stießen wie so oft auf Ungereimtheiten. Das größte Problem war die Kirche, wie hatte sie ausgesehen? Eine Ortsbesichtigung in Belgien sollte Licht ins Dunkel bringen. In Plancenoit bei der Kirche, neben dem Pfarrhaus, fanden wir dazu ein kleines Museum. Wir schrieben sogar an den Bürgermeister des Ortes. Dabei stellte sich heraus, dass es 1834 einen Neuaufbau gegeben hatte, in der Form wie man sie heute kennt. Denn während der Schlacht war ein wesentlicher Teil verbrannt. Leider fanden wir keine detaillierten Abbildungen oder Hinweise. Das einzig brauchbare was wir in Händen hielten, war eine Abbildung von Knötel, worauf stürmende Preußische Infanterie auf die Alte Garde abgebildet war und dies vor dem Hintergrund der brennenden Kirche. Nur liegt hier schon ein wesentlicher Fehler, denn die Alte Garde hat an dieser Stelle nicht gekämpft, es war die Junge Garde. Erst sehr spät am Abend hat die Alte Garde den Rückzug gegen die Preußen gedeckt. Dieses Bild sollte aber dann die Grundlage bilden für den Nachbau der Kirche. Aus den Erfahrungen des Dioramenbaues in der Vergangenheit entschlossen wir uns dazu, die Kirche im Maßstab 1:72 zu bauen, ebenso die umliegenden Häuser. Bei der Darstellung in diesem Maßstab ist man zwangsläufig dazu gezwungen Kompromisse in der Darstellung einzugehen. Es ist einfach nicht möglich die Aufstellung der Truppen in der Anzahl 1:1 darzustellen. Ein Kompanie in Linie, bei dreigliedriger Aufstellung, mit 150 Kombattanten nimmt eine Länge von über 50 cm ein. Ein Bataillon mit 6 Kompanien (Franzosen) käme auf gut und gerne 300 cm. Wer hat diesen Platz zur Verfügung. Auch der Betrachter würde keinen entsprechenden Eindruck gewinnen können. Oftmals bietet es sich daher an, auch die Gebäude entsprechend kleiner darzustellen. Dies hilft dem Betrachter einen guten Gesamteindruck zu gewinnen. Wir wollten hier aber bewusst den anderen Weg gehen, denn die Kirche würde den Angelpunkt des Geschehens bilden. Für den umliegenden Friedhof sollte jeder von uns 8 Freunden 25-30 Figuren bemalen. Als wir diese dann in das Gelände einarbeiteten, wirkte der Hof leer und es war keine Spur von Getümmel zu erkennen. Zum Schluss waren 350 Figuren notwendig, um annähernd den gewünschten Effekt zu erzielen.

Um die Gestaltung des Dioramas zu verbessern, wurde diesmal der Aufbau des Geländes geändert. Keine Stoffbahn mit Ihrem typischen Faltenwurf bildete die Grundlage, sondern Styroporplatten in 50 x 100 cm. Diese wurde entsprechend dem Gelände von 1 cm bis zur höchsten Stelle von 12 cm aufgebaut, mit den typischen Hohlwegen und Geländeeinschnitten versehen. Darauf wurde eine braunen Grundfarbe aufgetragen. Die Figuren waren in der Regel gemäß ihren Einheiten, Kompanie- oder Schwadrons- weise, auf flachen Holz- oder Papplatten aufgeklebt. Eine Kompanie z.B. der Französischen Infanterie hatte die Stärke von etwa 45 Mann, 13 Gemeine in 3 Gliedern, dazu die Unteroffiziere und Offiziere. Eine Französische Schwadron Jäger hatte etwa 50 Mann. Das ganze Gelände ist nach dem Aufstellen der Figurenplatten mit einer speziellen Mischung aus gesiebtem, feinem Sand, großen Mengen getrocknetem Kaffeesatz und feiner Asche, eingestreut worden. Darüber kam noch eine ungleichmäßige, feine Lage grünes "Woodland"-Streu. Die Häuser wurden teilweise aus Porcellin (einer feinen Gießmasse aus Gips und Kunststoffanteilen), mit Hilfe von Formen aus einem Linka-Bausatz (leider nicht mehr im Handel) gestaltet. Für die Kirche wurde ausschließlich Pappe verwendet. Das Mauerwerk für die Friedhofsumrandung bestand aus selbst hergestellte Formen, die ebenfalls mit Porcellin ausgegossen wurden.

Alle Figurenfreunde wird besonders interessieren welche Figuren hier verwendet wurden? Da uns besonders daran gelegen war, dem ganzen Diorama eine Tiefe in der Aufstellung zu geben, brauchten wir leider nur sehr wenig kämpfende Figurentypen. Was hätten schießende Einheiten in der zweiten Reihe zu suchen? Anfänglich waren wir gezwungen entsprechende Mengen an Figurenschachteln zu kaufen, aus denen alle schießenden und knienden Haltungen ausgesondert werden mussten. Dies war noch zu einer Zeit als man überwiegend nur Figuren von der Firma ESCI, oder Airfix zur Verfügung hatte. Revell kam gerade mit der Französischen Garde auf den Markt. Von Italerie-Figuren konnte man nur träumen. So wurden die ersten Preußen in mühevoller Kleinarbeit umgebaut, aus Franzosen von ESCI. Kurz vor Fertigstellung des Dioramas waren dann endlich die Preußen von Revell zu bekommen. Leider entsprechen auch diese nicht dem Reglement von 1815, aber dies ist eine andere Geschichte. Für die vielen notwendigen, aufmarschierende Truppenteile mussten spezielle Figurendarstellungen her. Wir gehen seit dieser Zeit dazu über, die exakte Haltung der benötigten Figuren aus dem bestehenden Fundus an Kunststofffiguren zusammenzubauen und in Zinn nachzugießen. Eine Schleudergussmaschine für Zinn, macht dies auch in den erforderlichen großen Mengen und der gewünschten Qualität möglich. Eine Besonderheit dieses Dioramas bildeten die Französischen reitenden Jäger, welche als Truppengattung der Kavallerie gerade auf diesem Teil des Schlachtfeldes zum Einsatz kam. Für den Umbau verwendeten wir einen Englischen Leibgardisten der schweren Kavallerie. Den Kopf mit Tschako eines Französischen Infanteristen. Der Figur wurde ein aufgerollter Mantel aus Milliput über die Schulter gelegt. Eine sehr einfache, aber wirkungsvolle Gestaltungsweise.

Der Anteil der dargestellten Preußen belief sich auf etwa 1.800 Figuren, Infanterie aus Landwehr (Airfix und Eigenbau aus Zinn), Linie und die sogenannte Reserveinfanterie (mit grauen Uniformen). Dazu Artillerie (alle möglichen Umbauten), Munitionswagen und Protzen (aus Pappe). Die Kavallerie, Husaren, Ulanen und Dragoner waren alles Umbauten aus ESCI-Figuren. Über 3.000 Franzosen, wobei etwa 40 % aus Zinnabgüssen bestanden.

Dieses Diorama hat uns sehr viel Spaß gemacht und bildet bis heute den Höhepunkt unseres gemeinsamen Schaffens, in unserem Freundeskreis Napoleonische Geschichte.

Ausschnitte aus dem Diorama "Die Preußen bei Plancenoit"

Gesamtansicht des Dioramas:

Diorama Preußen bei Plancenoit

Die Kirche von Plancenoit:

Die Preußen rücken vor:

Blücher kommt

Ansturm preußischer Landwehr gegen die Kirche:

Preußische Landwehr gegen den Kirchhof

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Stand: 17. November 2003