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Geschichtlicher Abriss der Schlacht bei Belle-Alliance

Am 01. März 1815 war Napoleon, aus dem Exil von Elba kommend, bei Cannes gelandet. Von da an begann die Herrschaft der "100 Tage". Napoleons letztes Glücksspiel fand in Belgien sein jähes Ende, als er bei Belle-Alliance Wellington und Blücher den alles entscheidenden Sieg überlassen musste.

Am 18. Juni 1815 kam es zur Schlacht.

Der Herzog von Wellington hatte mit seiner alliierten Armee, bestehend aus Engländern, Hannoveranern, Braunschweigern, Nassauern und Niederländern (Stärke von ca. 72.500 Mann, mit 177 Geschützen), auf dem Höhenzug von Mont-St. Jean Stellung bezogen. Hier erwartete er den Angriff der französischen Armee und erhoffte er das Eintreffen Blüchers.

Seine drei vorgezogenen Stützpunkte bildeten das Gut Hougoumont, das Gehöft La Haie Sainte und das Gehöft Papelotte.

Napoleon hatte dem gegenüber, auf der Anhöhe bei Belle-Alliance, Stellung bezogen. Er konzentrierte sein Hauptpotential im Zentrum seiner rund viereinhalb Kilometer langen Angriffsfront und sicherte gegen Osten seinen rechten Flügel vorsorglich gegen einen gefürchteten Flankenstoß der Preußen. Seine Stärke lag bei ca. 72.100 Mann mit 240 Geschützen.

Bis in die Morgenstunden andauernder heftiger Regen hatte die Wege und den Boden stark aufgeweicht. Durch diese Witterungsumstände behindert kam es erst gegen 11.00 Uhr zum ersten Angriff, einem anfänglich geplanten Scheinangriff auf Hougoumont. Es wurden jedoch immer mehr Truppen im Laufe des Tages in dieses Gefecht verwickelt, ohne dass es den Angreifern gelingen wollte, bis zum Ausgang der Schlacht das Gut einzunehmen.

Der eigentliche Hauptstoß sollte sich gegen das Zentrum richten. Er wurde gegen 13.00 Uhr eingeleitet durch eine große Kanonade einer Batterie aus 78 Geschützen welche bis auf 1.200 Schritt an die alliierte Frontlinie herangeführt wurde, um das Zentrum und den linken Flügel zu beschießen.

Etwa zur gleichen Zeit erschienen die ersten Preußen auf dem Schlachtfeld. Die Erkundung der herannahenden preußischen Truppen verzögerte den Angriff der französischen Infanterie, die in 4 riesigen dichtgedrängten Kolonnen den Hauptangriff auf die Mitte und den linken Flügel der alliierten Stellung begann.

Obwohl sie den Höhenzug erreichten, konnten sie jedoch nicht das Zentrum durchbrechen. Auf dem Rückzug wurden sie schwer attackiert durch englische Kavallerie unter General Ponsonby, die sich, berauscht durch diesen Triumph, zu weit in die französische Linie vorwagte und durch einen Gegenangriff der französischen Kavallerie fast gänzlich vernichtet wurde.

Da Napoleon alles zu einer Entscheidung drängte, ehe die Preußen spürbar ins Schlachtgeschehen eingreifen konnten, entschloss er sich, das alliierte Zentrum durch Kavallerie zu sprengen.

Gegen 16.00 Uhr erfolgte die erste Angriffswelle, ebenfalls gegen das Zentrum. Die alliierten Truppen wurden schwer angeschlagen, blieben jedoch standhaft. Wellington musste alle seine Reserven heranziehen und die Truppenteile vom linken Flügel wurden fast alle abgezogen, da man die Unterstützung der Preußen erwartete. Angeführt von Marschall Ney versuchte es die Kavallerie immer wieder den Erfolg zu erzwingen. Es wurden mehr und mehr Truppen zur Unterstützung herangeführt, bis gegen 17.00 Uhr etwa 9.000 Kavalleristen auf einer Frontbreite von 1 Kilometer gegen die angeschlagenen Alliierten vorrückten. Nun fiel auch La Haye Sainte in die Hände der Franzosen. Die alliierten Bataillone vermochten dem nicht mehr zu widerstehen, das Zentrum drohte zu brechen. Jetzt den Einsatz der Napoleonischen Garde und der Weg nach Brüssel wäre frei.

Jedoch wurde der Druck der Preußen immer spürbarer. Der alte Blücher rückte vor nach Smohain und Papelotte und versuchte Plancenoit zu umfassen, die Rückzugsstraße der Franzosen fiele damit in preußische Hände.

Um zum letzten entscheidenden Schlag auszuholen, musste Napoleon seinen Rücken frei haben und setzte dazu einen Teil seiner Garde ein, um die Preußen noch einmal zurückzuschlagen.

Gegen 19.00 Uhr rückte nun auch das I. preußische Korps Zieten auf dem linken Flügel der Alliierten in die Schlachtlinie ein.

Wollte Napoleon noch den Sieg an seine Fahnen fesseln, so war es die höchste Zeit. Mit seiner letzten Reserve, dem Rest der Gardeinfanterie, holte er zum letzten entscheidenden Schlag aus. Noch einmal wollte er versuchen mit dieser Elite das Zentrum zu durchbrechen.

Doch die Alliierte Front hielt. Und durch diesen Widerstand und den kämpferischen Einsatz der Preußen in Flanke und Rücken, löste sich die französische Armee in heilloser Flucht auf.

Nur noch preußische Truppen waren in der Verfassung die Flüchtenden zu verfolgen.

Um 20.30 Uhr trafen durch Zufall Blücher und Wellington bei Belle-Alliance zusammen. Sie umarmten sich herzlich, dankten einander für den geleisteten Beistand und beglückwünschten sich gegenseitig. Bereits hier verabredeten sie den gemeinsamen Marsch auf Paris.

Die Verluste der Alliierten betrugen ca. 15.000 Mann, nach 8 ½ Std. Kampf, die der Preußen ca. 7.000 Mann, nach 3 Std. Kampf (rund 1/3 der Zeit). Hieraus geht zur Genüge hervor, mit welcher Heftigkeit der Kampf der Preußen geführt wurde.
Die Verluste der Franzosen lagen etwa bei 24.000 Mann, 7.000 Gefangene und 216 erbeutete Kanonen.

Blücher ließ Wellington am 19. Juni den Vorschlag überbringen, der Schlacht den Namen von Belle-Alliance zu geben. Wellington hatte jedoch andere Absichten, er benannte sie nach seinem Hauptquartier Waterloo.

 
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Stand: 17. November 2003